Zum Markstein zwischen dem irreallen Netz und der Welt (so in echt, eben)

Tja, und wieder einmal steht ein guter alter Freund, dem man aber nun wirklich nicht ständig begegnen möchte, in der Diskurstür. Bekleidet hat er sich diesmal mit herzwärmenden Frage, ob nicht der Einsatz sogenannter „Neuer Medien“ – wie lange werde die eigentlich noch neu sein? – im schulischen Unterricht doch eher problematisch gesehen werden müssen. Der Aufhänger ist diesmal die probeweise Verteilung von 3G-Iphones an  Fünftklässler im schweizerischen Goldau, aber das ist – wie gesagt – nur der Aufhänger, an das unser guter aber unwillkommener Freund, sein abgetragenes medienkritisches Mäntelchen zu hängen neigt. Und es geht ihm auch nicht um die personalchefwirksame Publikation allzu privater Daten via Schüler-VZ oder ähnlich gelagerte, durch Presse, Funk und Fernsehen bekannte Vorgänge, die durchaus zu problematisieren wären.

Nein, wie so oft erhebt hinter dem scheinbar pragmatischen Ansatz die etwas schlichte Frage nach dem Verhältnis von Realität und Web (in diesem Fall speziell: Web 2.0) ihr inzwischen doch reichlich müdes Haupt. Vermutlich weiss sie selbst, dass sie ja doch irgendwie schief in den Wind gebaut wurde und beim ersten Lufthauch zu kollabieren droht. Denn was hat denn nun mehr Realitätsgehalt, die selektive Morgenlektüre meiner Lieblingstageszeitung oder das Abrufen ausgewählter Internetseiten? Sind das Telefonat oder der Briefverkehr wirklicher als der gegenseitige Informationsaustausch qua Email? Echt: Eine Partei Halma am Küchentisch; unecht: die Partizipation am Onlinerollenspiel? Wird in der echten Welt allein Face-to-face-kommuniziert, alles andere fällt über den Tellerrand des Irrealen? Auch wenn diese Fragen etwas überspitzt formuliert erscheinen mögen, muss doch konstatiert werden: Die meisten Menschen würden sie negieren, jedenfalls die meisten von denen, mit denen ich Umgang pflege! Und vor diesem Hintergrund interessiert mich ernsthaft, wo denn dann dieser mythische Grenzstein innerhalb des weiten Kosmos menschlicher Kommunikationsmöglichkeiten liegen mag, der die Realität von der Nichtrealität trennt. Und wie sie sieht sie überhaupt aus, diese nichtreale Welt der nicht mehr wirklich miteinander kommunizierenden Antipoden? Die ganze Fragerei rund um „Das Netz Und Die Realität“ macht somit meiner bescheidenen Meinung den etwas bedauerlichen Eindruck einer Phantomdiskussion, die allerdings ideologisch und hoffnungslos nostalgisch aufgeladen ist.

Aber nichts, was nicht doch noch zu retten wäre, man muss nur den Ballast abwerfen und den Fragehorizont verschieben. Wie? Das schreib ich beim nächsten Mal. Jetzt muss ich zu meiner schon viel zu lange schmurgelnden Lammkeule – Gigot à la Solognote -, ganz in echt.

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2 Antworten zu Zum Markstein zwischen dem irreallen Netz und der Welt (so in echt, eben)

  1. pong schreibt:

    Ganz in echt habe ich soeben via IKT-Zwischenstopp dieses unecht-echte Blog gesichtet und frage mich soeben, ob ich dieses an meines dranlinken darf. Weil IKT doch so unglaublich spannend ist, dass mans von den unterschiedlichsten Perspektiven her beleuchten kann… Und das Lesen auch Spass macht, wenn die Sprache stimmt. Was sie tut.

    • ping65 schreibt:

      Hallo, ja natürlich, klar, sehr gerne, zumal die grossräumige Verlinkung der diversen IKT-Blogs (oder besser: Blog´s, bot man bei mir ums Eck doch vergangenen Sonntag fröhlich einen „Advent´s Kranz“ feil!) Voraussetzung für den Erhalt der vollen (und zweifelohne angestrebten) Punktzahl ist. Wie geht´s sonst? Ich bin die letzten Wochen in Arbeit nachgerade ersoffen. PH-technisch forderte i.e.L. die AD ihren Blutzoll (Hospitation, H.-Bericht, Didaktikmodell…), und jetzt ist plötzlich 6-Wochen-Timeout. Denn eine Fachdidaktik besuche ich nicht, denn meine beiden Disziplinen gelten ja als nur alle Zweijahre mit FDen ausgestattete Exotenfächer, mithin steht auch kein Erfahrungspraktikum an. Aber halt: Es bleibt in diesem Jahr noch die Videolektion, die ein ganz grosser Spass wird und vor der man schon in kaltem Grausen erschaudern kann. Ich jedenfalls freue mich nicht so irrsinnig darauf, meinen ersten coram publico realisierten pädagogischen Gehversuch filmisch begleiten und auswerten zu dürfen. Na ja, so weit im Groben, liebe Grüsse und bis die Tage.

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